![]() |
Siehe dazu auch „Was ist ‘Vorphilatelie‘?“ und „Stempel der Vorphilatelie“ (mit Literaturangaben) auf der Seite „Kleine Stempelkunde“.
Die Suchmaschine Google lieferte bei einer Abfrage am 3. 9. 2007
– für den Begriff Postgeschichte 106 000 Treffer,
– für den Begriff Altbriefkunde 260 Treffer, und
– für den Begriff Altbriefsammler 429 Treffer.
Zum Vergleich: Philatelie bringt es auf 2 980 000 Treffer!
Offenbar sind die „Postgeschichtler“ im Vergleich zu den Briefmarkensammlern deutlich in der Minderheit. Ehe wir nach den möglichen Gründen dafür fragen, sollten wir kurz klären, was Postgeschichte eigentlich ist.
Bei Häger finden wir den Begriff nicht, Grallert führt das Stichwort postgeschichtliche Sammlung auf. Besser als Lexikon-Definitionen verdeutlicht ein Blick auf die Seite → Kleine Postgeschichten auf der → Website des DASV, des Deutschen Altbriefsammler-Vereins, worum es hier geht: Die Einordnung und Zuordnung von Post-Belegen in den historischen Kontext unter Berücksichtigung von Postverträgen, sozialem und politischem Hintergrund.
Die Philatelie im engeren Sinn, also die Beschäftigung mit Briefmarken, ist ein Untergebiet der Postgeschichte, das die letzten 170 Jahre umfasst – Post gibt es aber schon deutlich länger.
In einem immer noch aktuellen Vortrag hat Helbig 1999 ausgeführt, warum die Postgeschichte als Hilfswissenschaft der Historiker anzusehen ist. Im gleichen Artikel äussert er sich kritisch über das, was zum Stichwort „Postgeschichte“ teilweise auf Ausstellungen gezeigt wird.
Damit kommen wir vielleicht auch dem Grund näher, warum sich so wenige Sammler mit der Vormarkenzeit ernsthaft beschäftigen. Ich bin selbst kein Posthistoriker, sondern Briefmarkensammler, allenfalls noch auf dem Weg zum Philatelisten.
Man kann mich also nicht der Arroganz beschuldigen, wenn ich – neidlos, aber mit einer gewissen Bewunderung für diese Spezialisten – feststelle, dass Postgeschichte, seriös betrieben, das intellektuell wohl anspruchsvollste Sammelgebiet darstellt.
Hier kann man nicht mit einem Katalog zur nächsten Briefmarkenbörse gehen und „Nummern abhaken“. Postgeschichte erfordert intensive Beschäftigung mit der Literatur; man muss sich zum Erarbeiten eines Gebietes Kenntnisse über Postverträge und Postrouten aneignen und sich mit der Geographie und Geschichte dieses Gebietes und der interessierenden Epoche beschäftigen.
![]() |
Abb. links: Einer der wenigen rein postgeschichtlichen Bände aus meiner Bibliothek. Das hier diskutierte Gebiet ist örtlich (Schweiz) und zeitlich (1459–1907) begrenzt, was für postgeschichtliche Ausarbeitungen typisch ist. Der Titel des Buches könnte auch der Titel eines Ausstellungsexponats sein. Im Vorwort des Autors heisst es zur Entstehung dieses Buches „mussten doch Zehntausende von Seiten in den Archiven der Postverwaltung in der Schweiz und im Ausland durchgesehen und verarbeitet werden“. Nichts für diejenigen, die nach Fehlliste sammeln … Bibliographische Angaben: Richard Schäfer: Der Briefpostverkehr Schweiz–Ausland 1459–1907. Band I Schriftenreihe Schweizerische Postgeschichte; Multipress Verlag AG, Reinach 1995 |
Wenn man sieht – das kann man immer wieder in den Anfragen beobachten, die in Philatelie-Foren gestellt werden –, dass für viele Sammler schon die Anschaffung eines Spezialkatalogs eine offenbar unüberwindliche Hürde darstellt, kann man verstehen, warum ein Gebiet, das sich ohne ausführliches Literaturstudium einfach nicht bewältigen lässt, nur einen relativ kleinen Kreis anspricht.
![]() |
Wo findet man nun postgeschichtlich relevante Informationen, etwa die Texte von Postverträgen? Wenn Sie nicht, wie Schäfer bei dem oben gezeigten Buch, selbst in Archiven suchen wollen, bleibt die spezialisierte Literatur, die es erfreulicherweise für viele populäre Postgebiete bereits gibt. |
Links zum Thema Vormarkenzeit:
Literatur:
Copyright © 2007 und verantwortlich für den Inhalt:
![]()
Erste Veröffentlichung am 14. Oktober 2007, letzte Bearbeitung am 14. Oktober 2007.
Adresse dieser Seite: http://www.klassische-philatelie.ch/intro/intro_postgeschichte.html