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Da begegnet Ihnen irgendwo in der philatelistischen Literatur der Begriff tête-bêche. Sie können ihn nicht sofort einordnen und schauen einmal bei Google nach. Der erste von 506 000 Treffern klärt das Problem aber ganz sicher nicht:
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| Ergebnis einer Google-Suche nach „tête-bêche“ am 4. 6. 2006 |
Der Begriff tête-bêche, den ich hier meine, bezeichnet ein sinnliches Vergnügen ganz anderer Art, nämlich das, welches der Philatelist erlebt, wenn er ein ungewöhnliches Stück vor sich hat.
Der deutsche Fachbegriff, Kehrdruck, beschreibt wesentlich griffiger (und unzweideutig), worum es geht: Zwei (oder mehr) zusammen hängende Marken, bei denen bei einer Marke das Markenbild „auf dem Kopf“, also um 180° gedreht, steht.
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Kehrdrucke gehören zur übergeordneten Gruppe der Zusammendrucke. Ein waagerecht zusammen hängendes Markenpaar aus einem Bogen ist noch kein Zusammendruck, wird aber zu einem solchen, wenn es eben ein Kehrdruck ist, wenn ein Zwischensteg (s. u.) die Marken trennt oder wenn die Marken verschiedene Motive und/oder Wertstufen haben. Die Abbildung links zeigt diese Kombination verschiedener Wertstufen an einem Probedruck der Bochumer Privatpost; der komplette Streifen ist auf der Seite über Privatpost-Probedrucke abgebildet. |
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Ein Kehrdruck kann unbeabsichtigt entstehen, wenn ein Klischee falsch herum in die Druckplatte eingesetzt wird; ein Beispiel zeigt Bungerz (Abb. links). Derartige Stücke sind selten und entsprechend teuer; die abgebildete Marke, MiNr. 26 von Frankreich, wurde im Jahr 2002 mit ungebraucht ca. € 200,– notiert, das ungebrauchte Kehrdruckpaar aber mit € 13 000,–. Bei Cherrystone (New York) wurde im Februar 2011 einer von nur drei bekannten Kehrdrucken der Yvert Nr. 14c für US$ 70 000,– zugeschlagen – ein Schäppchen bei einer Katalognotierung von € 200 000,– (ein → Bild finden Sie auf der Website von Cherrystone). |
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Die Mehrzahl der vorkommenden Kehrdrucke sind aber nicht zufällig als Druckirrtum entstandene Raritäten, sondern ganz „normale“ Ausgaben. Bekannt und bei Sammlern beliebt sind die schweizerischen Kehrdrucke; eine Abbildung sehen Sie unten, weitere Beispiele finden Sie auf der → Website der American Helvetia Philatelic Society. Diese Ausgaben, die im Zumstein-Katalog ein eigenes Kapitel bekommen haben, gibt es seit 1904, also der Zeit der Semi-Klassik. Der Grund für diese ungewöhnliche Markenanordnung im Bogen war die weitere Verwendung: Diese Marken wurden für Markenheftchen verwendet, und die Kehrdrucke erleichterten die spätere Trennung und Heftung der Marken.
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| Kehrdrucke der modernen Schweiz (Zumstein Nr. K54 und S72) |
In dem oben exemplarisch gezeigten Streifen finden Sie nicht nur vier Kehrdrucke (
), sondern auch einen mit einem Ornament ausgefüllten Zwischensteg. Zwischenstege findet man meist, wenn ein Druckbogen mehrere Schalterbögen oder verschiedene Wertstufen enthält; ein berühmtes Beispiel ist der brasilianische „Pack strip“.
Bei der Diskussion um Kehrdrucke und Zwischenstege ist es hilfreich, wenn Sie mit der Anordnung der Marken im Bogen vertraut sind:
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Wenn Sie sich nicht spezialisiert mit den klassischen Ausgaben Dänemarks beschäftigen, würden Sie wohl kaum protestieren, wenn ich Ihnen diese Marken als „Zwischenstegpaar“ der Fire R.B.S., der ersten dänischen Briefmarke aus dem Jahr 1851, präsentiere. Richtig? |
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Falsch! Die Abbildung oben ist ein Ausschnitt aus dem links gezeigten Bild. Es handelt es sich um den Neudruck dieser Marke von 1885/86, und dieser wurde, abweichend vom Urdruck, mit sehr grossem Abstand der Marken im Bogen gedruckt. Solche Informationen finden Sie in den Spezialkatalogen Ihres Gebietes. |
Literatur:
Copyright © 2006 – 2011 und verantwortlich für den Inhalt:
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Erste Veröffentlichung am 4. Juni 2006, letzte Bearbeitung am 23. Juni 2011.
Adresse dieser Seite: http://www.klassische-philatelie.ch/intro/intro_tete-beche.html